Mit der Europawoche feiern wir alljährlich den politischen Beginn der europäischen Einigung vor 62 Jahren, nämlich die sogenannte Schuman-Erklärung vom 9 Mai 1950. Der französische Außenminister Robert Schuman stellte damals fest: "Europa lässt sich nicht mit einem Schlage herstellen und auch nicht durch eine einfache Zusammenfassung: Europa wird durch konkrete Tatsachen entstehen, die zunächst eine Solidarität der Tat schaffen."
Die Ideen von Robert Schuman haben bis heute nichts an Gültigkeit verloren. Schritt für Schritt haben wir Europa in den vergangenen Jahrzehnten vereint. Allem übergeordnet steht und bleibt das Europa des Friedens, der Demokratie und der Freiheit. Darüber hinaus und damit eng verknüpft sind der gemeinsame Binnenmarkt, der Euro und allem voran die private, berufliche und wirtschaftliche Entfaltungsfreiheit der Menschen in einem Europa ohne Grenzen, die ganz großen Errungenschaften der europäischen Integration. Sehr häufig waren diese Fortschritte in der Vergangenheit erzielt worden als Antworten Europas auf sich neu stellende gemeinsame Herausforderungen. Und so stellt auch heute die gegenwärtige Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise sowie die voranschreitende Globalisierung
Europa und seine Bürgerinnen und Bürger erneut vor große Herausforderungen. Die aktuelle Krise hat auf dramatische Weise offengelegt, wie eng wir alle in Europa längst miteinander verwoben sind und wie sehr wir gegenseitig voneinander abhängen. Wo einzelne Staaten leiden, bleibt auch der Rest Europas auf Dauer nicht davon unberührt. Und dies gilt natürlich auch für die soziale Lage der Menschen. Die Antwort Europas auf diese Krise kann daher nur sein: wir brauchen mehr und nicht weniger Europa. Wir brauchen Disziplin und Verantwortung des Einzelnen zum Wohle der EU insgesamt, und wir brauchen, wo erforderlich, die Solidarität der Union für den Einzelnen. Hierfür haben wir erkennen müssen, dass die Währungsunion, die uns seit zehn Jahren vereint, nur dann dauerhaft tragfähig sein wird, wenn wir sie jetzt auch zu einer echten Wirtschafts- und eines Tages auch zu einer Politischen Union weiterentwickeln. Nur so haben wir eine Chance, dass das, was wir erreicht haben, auch dauerhaft Bestand haben wird.
Genau daran arbeiten wir intensiv und haben als Europäische Kommission, gemeinsam mit dem Europäischen Parlament und den 27 Mitgliedstaaten bereits große und wichtige Fortschritte erzielt. Ausgabendisziplin bei den öffentlichen Haushalten, ein gemeinsames Kriseninstrumentarium zur Sicherung der finanziellen Stabilität im Euro-Raum, ein europäischer Rahmen für wirklich abgestimmte Wachstums- und Wirtschaftspolitiken der Mitgliedstaaten – heute stehen wir in all diesen Bereichen an einem Punkt der europäischen Integration, der vor zwei Jahren, vor Beginn dieser Krise noch undenkbar erschien. Natürlich ist klar, dass Europa diese Krise noch nicht überwunden hat. Umso mehr aber bin und bleibe ich entschlossen, alles dafür zu tun, dass Europa diese Krise überwinden wird.Damit dies gelingt, ist ein Punkt ganz wichtig. Europa – das sind nicht in erster Linie seine Institutionen und seine Regierungen. Das sind allen voran seine Bürgerinnen und Bürger. Je mehr diese für ein geeintes Europa einstehen und sich engagieren, desto stärker und vereinter wird dieses Europa. Die Europawoche 2012 ist eine wichtige Gelegenheit für die Bürgerinnen und Bürger, sich über die Ziele, die Werte, die wichtigsten Projekte und Vorhaben der Europäischen Union zu informieren. Daneben soll auch in diesem Jahr mit dem Besuch von Vertretern europäischer Institutionen im Rahmen des EU-Projekttages an Schulen am 14.Mai das Interesse gerade junger Menschen an Europa geweckt werden.
Ich wünsche Ihnen eine erlebnisreiche und interessante Europawoche und lade Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, recht herzlich ein, sich über europäische Themen zu informieren und sich aktiv an der Mitgestaltung Europas zu beteiligen.
Die Europäische Union ist ein einzigartiges Erfolgsprojekt. Nach Jahrhunderten prekärer Machtgleichgewichte und der Katastrophe der beiden Weltkriege ist es durch die Integration von Staaten gelungen, Frieden zwischen den Völkern zu schaffen. Heute ist das Europa der offenen Grenzen alltäglich gelebte Realität. 500 Millionen Menschen haben sich zum größten Binnenmarkt der Welt zusammengeschlossen.
Die Union hat uns Wohlstand geschenkt und ermöglicht es uns jeden Tag besser zusammen zu leben.
Doch gegenwärtig befindet sich die EU in einer tiefen Vertrauenskrise. Die Menschen zweifeln an der Fähigkeit demokratischer Politik Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit zu finden. Sie trauen auch der EU nicht zu, die schlimmste Finanz- und Wirtschaftskrise in der Nachkriegsgeschichte zu überwinden. Sie zweifeln daran, dass es ihren eigenen Kindern einmal so gut gehen wird wie ihnen selbst. Europa steht am Scheideweg. Deshalb wollen wir die Europawoche 2012 ganz besonders intensiv für einen Austausch darüber nutzen, was für ein Europa wir wollen.
Das Europäische Parlament ist der Ort der politischen Debatte über die Richtung der EU, der Ort an dem die Interessen der Bürgerinnen und Bürger vertreten werden. Während meiner zweieinhalbjährigen Präsidentschaft will ich dem Europäischen Parlament eine stärkere timme geben und den Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern vertiefen.
Ich bin fest davon überzeugt, dass es uns nur mit einem starken und demokratischen Europa gelingen wird, die Globalisierung politisch nach unseren Vorstellungen zu gestalten. Im Verbund der 27 können wir was bewegen, wenn es um die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts geht: Kontrolle der internationalen Finanzmärkte, Umkehr des Klimawandels, Bekämpfung von Armut und Hunger in der Welt, Schutz unseres europäischen Sozialmodells. Entweder gewinnen wir alle oder verlieren wir alle.
Lassen Sie uns dieses Europa wappnen für das 21. Jahrhundert. Damit es auch für die junge Generation wieder ein Versprechen für eine wirtschaftlich starke, sozial gerechte, freie und demokratische europäische Heimat wird.
Einen interessanten Aspekt im Rahmen der Europawoche 2011 hatten sich die Organisatorein Horst Schad und Andrea Dürr von der Europaschule, dem Beruflichen Schulzentrum Odenwaldkreis (BSO), in Michelstadt sowie Bernd Pfau vom Eurpe-Direct-Informationszentrum Odenwaldkreis für den Aktionstag am 16. Mai einfallen lassen. In einem Planspiel sollten sich gut 60 Schülerinnen und Schüler der elften Klassen des Beruflichen Gymnasiums mit der durchaus schwierigen Entscheidungsfindung und den besonderen Abstimmungsprozessen innerhalb der Europäischen Kommission auseinandersetzen.
Ausgangspunkt war eine im März 2007 getroffene Vereinbarung der EU-Staaten, den Ausstoß klimaschädlicher Emissionen bis 2020 um 20 Prozent zu reduzieren. Diese Position geriet in die öffentliche Kritik, vor allem weil in der Produktion von Biokraftstoffen zum Teil eine schädliche Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion gesehen wird. Die Europäische Union sieht im Einsatz erneuerbarer Energien und hier unter anderem im Einsatz so genannter Biokraftstoffe (E10) eine Möglichkeit, Treibhausemissionen zu senken.
Im Planpsiel sollten die Schülerinnen und Schüler die Erstellung eines „Grünbuches" zum Einsatz von Biokraftstoffen in der EU nachahmen. Auf der Grundlage eines „Grünbuches" zu Vorhaben der Europäischen Kommission soll eine öffentliche und wissenschaftliche Diskussion herbeizugeführt werden.
Unter fachkundiger Anleitung der Autoren Birgit Ladwig-Thiels und Dr. Ralf Hell vom Team Europa (dem Rednerdienst der Kommission) sollten die Jugendlichen einerseits die Positionen der mit dem Thema befassten Akteure kennen lernen und andererseits einen Eindruck davon gewinnen, auf welche komplexen Zusammenhänge und Herausforderungen die europäische Klimapolitik zu reagieren hat. Geschickt vermittelten Ladwig-Thiels und Dr. Hell, dass sich Klimapolitik im Spannungsfeld zwischen sozialen, ökonomischen und ökologischen Interessen vollzieht.
In der gut dreistündigen Veranstaltung schlüpften die Mitwirkenden in die Rolle von Repräsentanten betroffener Akteure (EU-Kommission, Agrarlobby, Ökobauernverband, Automobilindustrie, konventioneller Energieproduzent, Biokraftstoffproduzent, Entwicklungshilfeorganisation, Umweltorganisation). Gekonnt und mit guten Ideen konnten sie erfahren, wie und bis zu welchem Grad man sich mit den jeweils eigenen Potitionen und Interessen im „Konzert" der Interessenvertreter Gehör verschafft. Sie mussten aber auch erkennen, dass Entscheidungen auf der europäischen Ebene vielfältige Aktivitäten voraussetzen, um zu einer gemeinschaftsweiten Lösung zu kommen.
Eine besondere Note verlieh dem Aktionstag die Anwesenheit des Odenwälder Landtagsabgeordneten Dr. Michael Reuter, der auch europapolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Hessenparlament ist, und der Staatssekretärin aus dem Europaministerium des Landes, Nicola Beer. Dr. Reuter, Schuldezernent des Odenwaldkreises, ist seit jeher überzeugter Europäer und unterstützt die Europawoche am Beruflichen Schulzentrum seit vielen Jahren. Der Abgeordnete eröffnete den Vormittag mit einem kurzen Statement zum aktuellen europapolitischen Geschehen und stimmte die Schüler auf das Planspiel ein. Gemeinsam mit Nicola Beer nahm er als Beobachter daran teil und ergänzte die Schüler-Ideen durch Erfahrungen aus der eigenen Praxis. So erfuhren die Schülerinnen und Schüler aus erster Hand, dass sie mit ihrem Ergebnis des Europa-Planspiels durchaus einen EU-Entscheidungsprozess dargestellt hatten. So fiel das Resümee der Beteiligten sehr positiv aus. Das Projekt förderte ein Bewusstsein zum Problem des weltweiten Klimawandels und der konkreten Anforderungen an eine nachhaltige Politikstrategie. Das Spiel machte anschaulich, dass eine nachhaltig wirkende Klimapolitik nicht nur eine ökologische Frage ist, sondern auch politische, wirtschaftliche und soziale Aspteke eine zentrale Rolle spielen können.
Wer an einem solchen Planspiel einmal selbst teilnehmen möchte, dem wird der Europa-Pavillon der Europäischen Kommission bei der Bundesgartenschau in Koblenz empfohlen. Der Besuch des Pavillons ist kostenfrei und nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Schulklassen sehr interessant. Informationen dazu hält das Europe-Direct-Informationszentrum des Odenwaldkreises bereit. Kontakt: Telefon 06062 70-1299, Fax 06062 70-390, E-Mail b.pfau@odenwaldkreis.de